Sonntag, 20. September 2015

Hörst Du den Takt?

Was ist es, das uns den Takt halten lässt? Meine Tanzpartnerin hat manchmal Schwierigkeiten den Takt eines Titels zu hören, während ich selbst problemlos danach tanzen kann. Mir reichen im allgemeinen zwei Takte, dann hab ich's intus. Dann fängt ein inneres Metronom an, zu schlagen. Es braucht dann nur immer mal wieder einen deutlichen Taktschlag, um zu synchronisieren.
Sie sagt, das kenne und könne sie so nicht, sie müsse den Takt erkennen und ständig hören.
Das ist mir ein wenig ein Rätsel. Aber OK. 

Ich finde es spannend wenn die Musik oder der Sänger mich zwingt das (innere) Metronom anzuhalten oder zu beschleunigen. Interessanter Weise kann das mit einem Gefühl der inneren Anspannung und Entspannung einhergehen.

Wenn ich das innere Metronom nicht höre, bin ich dann zwangsläufig für diese Effekte von Musik nicht empfänglich?
Ist das der Grund warum Leute den Kopf schütteln, wenn ich erzähle, dass der kurze Moment des Hinausziehens eines Tones über die Taktgrenze hinweg bei mir zu einer Gänsehaut geführt hat? Ich finde das schade für sie und verzweifle fast daran, wenn ich's ihnen nicht erklären kann. 

Hmmm. jetzt frage ich mich:
Welche Möglichkeiten Kunst zu erleben sind mir verschlossen?
Bestimmt viele. Zu einigen gefeierten Werken habe ich überhaupt keinen Zugang. Dann stellt sich mir immer die Frage. Sind das jetzt wieder des Kaisers neue Kleider, oder fehlt mir einfach die Ausbildung bzw. Erfahrung.
Aber warum sollte ich das denn haben wollen. Welche Art von Sozialisation haben Menschen erlebt, die sich von einer 1x3 Meter großen Leinwand in Begeisterung versetzen lassen, auf der Farbe quasi ausgekippt wurde?
Und ..., kann ich nicht erwarten, dass ein Künstler sich bemüht, auch mich, im Rahmen meiner Erlebnismöglichkeiten, anzusprechen?

... Jetzt reicht's mir. Vieles von dem, was sogar Du als wertvolle Kunst akzeptierst, wäre gar nicht entstanden, wenn der Künstler sich um seine Empfänger oder Konsumenten gekümmert hätte?

Und dann wurde das Werk nur für den Schaffer erzeugt?

... vielleicht. Vielleicht freut sich der Künstler dann auch noch wenn er feststellt, dass Andere seine Vorstellungen nachvollziehen können.

Ja, hilft i.A. auch beim Überleben. Und wie erkenne ich dann "des Kaisers neue Kleider?"

... dass Dir Schwaben das wichtig ist, wundert mich mal wieder nicht. Kauf's doch einfach nicht, wenn's Dich nicht anspricht.

Und wenn Steuermittel dafür ausgegeben werden?

... dann freu Dich, dass Du quasi für Umme in die Lage versetzt wirst, dass ein Kunstwerk, das Du Dir nicht erworben hättest (können?) Deinen Erfahrungsschatz erweitern kann.

Meinen, oder den von irgendwelchen Eliten oder reichen "Bildungsbürgern"? Das Gros der Bevölkerung kann mit Einigem doch gar nichts anfangen und wird es auch nie verstehen können.

... tja da hat der Staat wohl auch noch die Aufgabe, Fortschritt zu unterstützen.

Ahhh sowas wie Grundlagenforschung?

... Jupp wenn Du so willst.

Ok. Dann lass ich's mal dabei. Die ursprüngliche Frage war. Was ist mir an Erleben verschlossen? Hat es Sinn da nach Neuem zu streben.

... Unbedingt. Wenn Du immer nur Bekanntes genießt wird das doch irgendwann schal. Oder?

Nein, eigentlich nicht. Es wird immer wieder ein wenig variiert. So wie im Moment so ein Flüsterstimmchen Chaka Khans " Ain't Nobody " in die Charts gebracht hat. Dafür brauche ich keine Erweiterung meines Horizonts.

... na vielleicht doch. Es gibt nicht wenige, die die neue Interpretation ablehnen und andere, die das alte verstaubt finden.

Das ist aber doch nur Geschmack.

... OK. passt dann vielleicht nicht. Was könnte denn Deinen Horizont erweitern. Was verstehst Du im Moment nicht, oder lehnst Du sogar ab.

David Bowie. Aber auf den habe ich auch überhaupt keine Lust.

... Ist vielleicht auch nur Geschmack.

Ja, kann sein. Ich finde den einfach komisch, langweilig und unmelodisch. Und ich glaube nicht, dass 10 Mal anhören daran was ändern kann.

... das Beispiel war schlecht gewählt. Ich glaube, Du hast eine Aversion gegen den Typen.

Hmmm am Typen liegt es nicht. Peter Gabriel finde ich durchweg gut.

... wie steht's mit wirklich progressivem? Freejazz.

Sorry. Eine Zeitlang OK. Aber irgendwann ist es für mich nur Gedudel. Meist gefallen mir noch die Anfänge wo die Grundlage noch zu erkennen ist, dann noch ein paar Variationen, danach ist aber Schluss. Und  Schlagzeugsoli finde ich bis auf das von "Take Five" langweilig.

... 12Ton Musik

Hmmm, habe ich schon lange nicht mehr probiert. Das könnte aber irgendwann wirklich interessant werden. In der Schule mussten wir x-Mal Atmosphere von Ligeti hören und irgendwann fand ich Klangflächen genial. Ich glaube bei Alan Parsons. "Tales of...." hat man sie auch im Pop zu hören bekommen.


Irgendwo habe ich auch gehört, dass Menschen im 18. Jahrhundert die typischen Komik Zeichnungen gar nicht verstanden hätten.

... im 19. Jahrhundert gab's die aber schon. Zumindest hat der Simplicissimus sowas veröffentlicht.

Vielleicht war's auch noch früher. Auf jeden Fall wurden die allmählich eingeführt und plötzlich war jeder in der Lage Menschen auf solchen Zeichnungen zu verstehen.

... Fällt mir schwer zu glauben. Jeder, der versucht, einen Menschen zu malen, erzeugt doch sowas.

 Ach egal, ich dachte nur, das könnte ein weiteres Beispiel sein. Aber ich kann ja keinen aus dem 18. Jahrhundert fragen. 
Hab keine Lust mehr, findest Du irgendein Fazit.

... Warum ich. Du bist der Typ, der Bowie ablehnt. Sei offen, die Massen können sich doch nicht irren.

Also gut. Aber bevor ich mich um Bowie bemühe, darf ich mich auch um Stockhausen kümmern oder?

... na dann viel Spaß.

... und wie macht Ihr das jetzt mit dem Takt. 

Na ich hab natürlich das Sagen, wie immer im Standardtanzen. Hmmm und hoffe, dass sie nicht zu zögerlich wird, weil sie mich zu verstehen versucht. Denn ... wenn sie nicht glücklich oder zumindest zufrieden ist, dann klappt's leider gar nicht.

Freitag, 18. September 2015

Nach dem Powertraining, vor dem Turnier

... schon wieder Freitag. 
Jupp ist das nicht toll.
... he was ist mit Dir los? Ich will klagen, es ist schon wieder eine Woche rum, und was ist passiert?
Ein geniales Powertraining. Das lief richtig gut. Da kann morgen im Turnier passieren will.  Also nix is mit Lamentieren über die verschwundene Zeit.
... und wie ging's Deiner Tanzpartnerin dabei.
hmmm, die hatte Kopfschmerzen. Ich hoffe, ich habe sie mit meinem Enthusiasmus nicht zu sehr überrannt. Es lief aber wirklich gut. Das hat sie auch gemerkt. ... Eigentlich erwarte ich morgen deswegen auch Erfolg. Nicht so einen Absturz wie letzte Woche. ... 
... Oh gefährlich. 
Ach was. Ich glaube ich habe was verstanden. In so einer Nebenbemerkung hat mich am Mittwoch R. darauf gebracht. Ich soll meine TPin mehr präsentieren. Der Oberkörper ist mehr nach vorne oben gestreckt. Fast aggressiv. Ich habe versucht, das heute zu realisieren ... und irgendwie sind wir besser vorangekommen.
... und jetzt, feierst Du? ... Nein ,Du sitzt vor'm Rechner und machst Blödsinn.
Ja. Ich höre gerade nebenbei meine Lieblingsplaylist  und schreibe mir meinen Enthusiasmus von der Seele. ... leider sind auch einige melancholische Lieder drauf.. macht nix. Ich stell mir einfach vor, wie wir uns wieder durch den Raum bewegen.

Ein bisschen peinlich war's mir schon. Der Powertrainingveranstalter hat unser letzt - wöchentliches Versagen auch mitbekommen. Und jetzt hagelt es vor Tipps. Auch wertvolle, ich bin froh über Feedback, zumal er auch Standard richtet. Er versuchte auch zwischendurch ins aufzubauen, G. ist eher etwas zurückhaltend bis sieht hauptsächlich Fehler. Dagegen war das Wort Positiv ihm gestern ganz wichtig. Wenn ich nach seinen sonstigen Aussagen gehe, wage ich aber immer wieder zu zweifeln, dass viele Kreuze zusammen kommen werden. ... Der Tango ist ihm zu Lasch. Jupp diese Kompression ist für mich noch ein Buch mit sieben Siegeln.. Aber ich muss doch noch irgendwo was lernen können.

... Jetzt ist aber genug vom Tanzen. war denn sonst nichts los?

Nein eigentlich nicht. Ich brauche wieder für ein Projekt wesentlich länger als gedacht. Diese Woche waren mir zu viele Besprechungen, und Gott sei Dank ist mein Chef wieder da.
Ach ja, ich war beim Friseur und beim Zahnarzt. 
... und alles wieder kurz.
Nein, ich dachte ich lasse mal nur Rausschneiden. Die Friseurin meinte, dann müsse aber Wachs ins Haar. 
... So ein Blödsinn, man wäscht seine Haare um sie dann gleich wieder dreckig zu machen.
Stimmt, aber ich alter Dackel probier nochmal rum, ich bilde mir ein, das sieht gar nicht so schlecht aus. 
... Ok, Lenkt vielleicht ein wenig von der Visage ab.
Stimmt genau. Dann habe ich mir noch einen Eckzahn ab und wieder aufbauen lassen. Zumindest wurde zuerst eine Ewigkeit lang Füllung entfernt und dann eine Ewigkeit lang wieder aufgebaut. ... waren vielleicht doch nur 20 Minuten bei bestem Zahnarzt von Welt.
... Gibt's das.
Ja, der ist im Gegensatz zu manchen seiner Vorgänger der Grund, dass ich noch Zähne habe. So sorgfältig wie er hat noch keiner gearbeitet. Für meine letzte Wurzelfüllung hat er sich bestimmt eine Stunde Zeit genommen. ... Leider haben das andere auch mitbekommen und Termine sind inzwischen schlecht zu kriegen. 



Sonntag, 13. September 2015

Ein Wochenende

Samstag waren G. und ich auf Turnier. ... Zu viele weiblichen Richter. Es sind 2 Punkte geworden. Ich schieb's mal wieder auf unsere Größe.
Ein wenig frustrierend, dass wir wieder nur gegen offensichtliche gewonnen haben. Bzw. war noch ein Paar dabei, ... es macht mich nachdenklich, dass wir wohl schlechter sind. Aber ich habe beschlossen nicht mehr zu erwarten. Andere Paare haben sich auch über Jahre hoch gedient. zum Glück gibt's das Powertraining.

Am Nachmittag mit unserem Pferd gejoggt. Schwierig war, dass Leute mit blauem, knatterndem Golfwagen im Wald Schilder aufstellen mussten.

Sonntag gearbeitet und wieder mit Wiener Walzer laufen gewesen. Dabei festgestellt, dass noch mehr Walzer zum Mitlaufen geeignet sind. Manche sind sogar relativ langsam. z.B. Mr Bojangles.

WE Abschluss mit Freunden. K. und M. beim Italiener. Die mussten die diversen Niederlagen unseres Heimfußballvereins wegstecken.

Eigentlich ein wenig erfolgreiches Wochenende. Meine Grundstimmung ist aber doch zufrieden.

Sonntag, 6. September 2015

Sonntag nachmittag. Lauf mit WW

Hey, Du, ich bin gerade zurückgekommen und total begeistert.

... was ist los. Ganz ruhig. 

Ich bin gerade 8 km mit Wiener Walzer Musik gelaufen. Das war wohl Runner's High. Ich muss gar keinen zwei Stunden dafür laufen.

Dabei hab ich die geniale Musik für meinen Trainingszustand gefunden. Der Titel ist "Blau im Blau" und stammt von Yvonne Catterfield .... ich will von Dir nichts weiter dazu hören. Unser Musikgeschmack ist unterschiedlich.

Es ist ein Wienerwalzer. Die Geschwindigkeit ist genauso, dass ich in dem Rhythmus zur Zeit laufen kann.

Es fängt so an: 


Heut will ich nichts tun, 
heut will ich nur sein, 
sperr die Welt heut aus, 
bleib hier ganz allein, 
seh die Wolken ziehn und fliege hinterher,


Und das ist Laufen. Ich weiß, Frau C. meinte bestimmt was anderes, aber ich bin in mich versunken, durch die Straßen gelaufen. Mit dem Kopfhörer im Ohr kommen wirklich nur wenige Reize. es ist nur Fühlen, die Luft die an Dir vorbeistreicht. Die Art des Bodens und ... diese Gitarre oder Harfe im Hintergrund, die den Dreiertakt gibt.
Die bringt meine 73 kg wirklich zum Schweben. Ganz einfach so. Da öffnet sich die Brust, ich werde ganz weit. Obwohl ich total in mich versunken bin.

Und dann singt die Frau, von "meine Welt ist groß und der Himmel ist heute mein Kleid",
oder "irgendetwas trägt mich und ich schwebe weit über der Zeit". Das ist fast wie tanzen. 
Tanzen im Freien. 

Ich habe den Titel auf endlos gestellt und bestimmt 15 Minuten lange gehört, bis ich entschied dann auf den nächsten umzustellen. Mir sind mal wieder die Tränen gekommen, so schön war das.

... was willst Du mir erzählen.

Dass Laufen nicht nur Quälerei ist. Sogar in weniger gutem Trainingszustand. Im Moment bin ich schlecht und es frustriert, dass ich so langsam laufe. Aber wenn ich den Frust nicht überwinde, werde ich auch nicht schneller.
Und eigentlich kommt's auch gar nicht auf das Tempo an. Das Laufen kann echt geniale Momente, nein Intervalle bieten. Jedesmal ist es, ich muss mich nur überwinden und schon wird's gut.
Kann mir irgendjemand erklären, warum dieses Überwinden dann immer so schwer ist und meist nicht gelingt?




Dienstag, 1. September 2015

The Age of Adeline

Teilweise auf dem Flug nach und teilweise von BA gesehen. Das ist ein immer wieder ansprechendes Konzept. Hatte bei meinem Sitznachbarn nebenbei mitbekommen, dass Harrison Ford und ein bärtiger Anderer von dem mir um's Verrecken nicht einfallen will, wo er sonst noch eine Hauptrolle hatte, mitspielen.
Sehr romantisch. Wer denkt auch, dass "Nicht zu Altern" ein Problem darstellen kann. Es wurden ein paar nette anrührende Situationen produziert, die gut die Emotionen angesprochen haben.
Da waren die Interaktionen mit ihrer Tochter. Das Einschläfern ihres Hundes. Das Verlassen des Fast-Verlobten. Der Moment, wie dieser sie nach 4 Jahrzehnten wiedererkennt.

Ahhh... imdb sei Dank, der junge Bärtige (Michiel Huismann) spielt auch in GOT und zwar Daahrio Naharis im Daenerys-Zug.

Zum Ewig-Leben: Zuerst habe ich das bei Jack L. Chalker in der Sechseck-Welt kennengelernt. Nathan Brazil lebt allerdings nicht nur 107 Jahre, sondern seit Urzeiten. 

Montag, 31. August 2015

Tag 11/12, Puerto Madryn und BA

Unser Weiter-Flug ging erst spät abends. Also hatten wir noch einen ganzen Tag in Puerto Madryn.
Die Route war: Vom Hotel am Strand mit Hund (Dulce de Leche) bis zum Pier.
Das Pier entlang an der Küstenwache und Ausflugskatamaran vorbei  bis zur Fischereiflotte.
Eine Ansammlung von schwimmenden Vögeln stellte sich diesmal als Enten, nicht die erhofften Pinguine heraus.
Neu waren aber schwarzbraune große Vögel, die A. als Shearwaters identifizierte.
Dann in die Stadt zum behütete Schweißer kaufen (Ausdruck von O.)
War aber nix zu finden. Zum Teil waren die Verkäufer auch nur begrenzt motiviert mit uns Umsatz zu machen.
Wir schlenderten noch zum Plaza Mayor, hörten dann Musik, dachten erst an Rummel und kamen aber nur zu Hüpfburgen und Tischfußballteilen. Das Ganze entpuppte sich am Ende als Wahlkampfveranstaltung .
Auf dem weiteren Weg stillten wir noch unseren Hunger mit Pizza in einem Pub-artigen Lokal das mal wieder leer war, als wir bezahlten.
Den Rückweg versüßte uns ein aggressiver schwarzer Streuner. Er hatte ganz entzündete Augen und verstand Kontaktaufnahme als Knurren und Bellen.
Wir gingen den Strand entlang zurück über's Hotel hinaus, bis zu einem größeren Block, der uns bei Nacht schon in unterschiedlichen Farben angestrahlt aufgefallen war.
Näher betrachtet waren alle Fenster schwarz, der Eingang leer ... sah aus, als ob der ganze Block unbenutzt wäre.
Wir haben das aber nicht weiter erforscht und sind mit unserem freundlichen perro auf der Promenade zurück am Hotel vorbei zur Bajada 4. Noch einen Kaffee, dann war es Zeit, im Hotel auf I. zu warten.
Inzwischen war es dunkel, der Flughafen erstaunlich belebt. Als wir ihn das letzte Mal gesehen hatten, waren nicht mehr als 10 Personen in dem Gebäude übrig.
Mit rot bejackter, Matedrinkender Fußballmannschaft brachte uns die Blech- oder besser Aluminium-Dose (737) nach BA zurück.
Im goldenen Hondabus schliefen wir uns zum Hotel zurück, wo wir prompt, durch gegen 3 Uhr abreisende Rollkoffer (Salta, El Calafate, Trelew???) wieder aus dem Schlaf gerissen wurden.
Morgens brach ich mir noch fast einen Zeh, weil mitten im Hotelzimmer eine Stufe zum Bad führte. Aus O. und S. Zimmer war der Schlüssel unauffindbar verschwunden. Wir kamen dann aber doch noch ganz gut im Flughafen an.
Wo wir unsere tolle elektronische Bordkarte testen konnten.
Der Ausreisebeamte war mit dem reinen Bild unzufrieden. Er wollte unbedingt noch einen Namen haben. Zum Glück war die Ursprungsmail leicht zu finden, dann durfte ich nach Irisscan und Daumen Fingerabdruck weiter.

Sonntag, 30. August 2015

Urlaubgespräch

... und wie war der Urlaub?
Genial. Toll. Was willst Du hören.
... hat's Dir gefallen? Hast Du Dich erholt??
Schwierig zu sagen. Es waren schöne Erlebnisse. Vor allem die Fahrt mit dem Submarine. Das war ein echtes und unerwartetes Highlight. Zur Erholung bin ich nicht in Urlaub gegangen.
... aber das war ja nun nicht ganz billig. Hat sich's denn gelohnt.
Ja wir wollten mal wieder Argentinien sehen. Wir wollten Pinguine, Wale sehen und Fleisch essen. Das hat fast alles geklappt.
... aber der lange Flug.
Ja das stimmt. Hmmm eigentlich ist es eher  die Zeitumstellung. Das hat aber gut in diese Richtung funktioniert. Ich hab praktisch nichts davon gemerkt. Und 15h kann man auch innerhalb von Deutschland über Nacht unterwegs sein.
... stimmt schon. aber der lange Flug ist doch ein ganz schöner Aufwand.
Ja. Die Energiebilanz ist nicht optmal. Da hab ich keine befriedigende Antwort drauf. Es musste dieses Jahr Argentinien sein. Ehrlich gesagt haben wir noch nie auf die Energiebilanz gekuckt, wenn ein Urlaubsziel festgelegt war.
... dann willst Du auch jetzt nichts von schlechtem Gewissen hören?
Nein, nerv' mich damit nicht. Den Leuten hier ist es recht, dass jemand aus Übersee kommt und Geld ausgibt. Und das haben wir schon gemacht. Ich hoffe, dass unser Organisator auch einiges davon hier lässt. ... Ich denke schon, wenn ich nur die Preise hier so anschaue.
... und was denkst Du von dem Schwellenland ... oder was das hier ist ...
Ja das ist schwierig. Argentinien ist wahrscheinlich das europäiste von den südamerikanischen Ländern. Wir haben uns nirgends unsicher gefühlt und ... Elend bekommt man in deutschen Städten mindestens genauso zu sehen.
Gut ... in BA liegen ab und zu Decken rum. Mal mit jemandem der dazwischen liegt, mal scheint das nur die Markierung für das "Haus" zu sein. Was auch noch auffiel waren die Müllsortierer. Abends scheinen sie den neuen Müll aus den Mülltonnen zu durchsuchen. Am Ende ist er in großen weißen stabilen Säcken.
Dann noch die Autofensterputzer an den Kreuzungen bei Rotlicht. Die vielen Zeitungs-, Blumen-, Helado-Stände sind wahrscheinlich auch Zeichen dafür, dass nicht viel "Soziales Netz" da ist.
Aber in Puerto Madryn und Puerto Piramides habe ich nur zwei... offensichtlich Trinker ... auf der Straße gesehen.
... Du bist dafür ja auch der Fachmann.
Stimmt, bin ich nicht. Die Anzahl der streunenden Hunde macht mich schon ein wenig nachdenklich. Man muss als Touri nur ein wenig spazieren gehen, schon wird man von einem Hund adoptiert.
... Adoptiert??
Ja, plötzlich merkt man, dass nochmal jemand den gleichen Weg hat. Die meisten machen das sehr unauffällig. Ein Außenstehender wird aber denken: "der Hund gehört dazu". In Madryn hatten wir morgens einen netten. A. und S. haben ihn Dulce de Leche genannt. Man verfolgt dann die Strategie: " Kümmer Dich nicht um ihn, dann wird er schon irgendwann das Interesse verlieren".
Das ist natürlich genau das Gegenteil von dem, was der Hund will oder ihm gut tut. Aber ... weiß auch nicht. Eigentlich tut er mir leid, aber ich habe keine Lust und bin auch nicht hergekommen um mich um streunende Hunde zu kümmern.
... herzloser Tropf.
Jupp, genau. Muss ich aushalten.
Die Argentinier halten das im Übrigen auch gut aus. Genau ... und so geht das auch mit "dem Elend" in der Welt.
Ich denke, ich habe nicht nur privilegierte gesehen und finde, dass die Leute hier ihr Leben ganz gut meistern.
... woher weißt Du das. Du siehst nicht in die Fabriken, Bauernhöfe, Schulen und Wohnungen.
Richtig und da will mich wahrscheinlich auch gar keiner sehen. Die mögen hier die Voyeure genauso wenig, wie wir irgendwelche Ami-Touris oder Japaner ständig durch unsere Hinterhöfe spazieren haben wollen.
Man bekommt die Freizeit Argentinier mit. Wie sie sich heraus putzen und zum Matedrinken mit Freunden oder Familie an die Promenade setzen.
Wie sie auf der Verkehrsinsel Fußball oder Volleyball spielen. im Autokorso am Sonntagabend die Uferstraße hoch und runter fahren.
Die Nicht-Freizeitargentinier sind in den Hotels oder Lokalen angestellt und auch nicht anders als bei uns.
... ich finde das reichlich oberflächlich von Dir. Zum Einen trägst Du extrem zur Erderwärmung bei, störst die armen Wale und lässt Dich privilegierten Geldsack durch die Gegend kutschieren. Was Du mit dem Geld, das Du dafür ausgibst, sinnvolles hättest tun können.
Upps. Jetzt wird die Welt verbessert.
Ist es nicht besser wenn ich mein Geld dann hier ausgebe, als dort, wo's nicht so dringend gebraucht wird. Und soll die hiesige Wirtschaft lieber die Wale für Japan zerlegen?
Ich tendiere dazu, mich von Deinen Fragen nicht weiter verunsichern zu lassen. ... Klar wir sind privilegiert. Auch zuhause. Wir haben prima Jobs, die uns Spaß machen. Genügend Freizeit und auch das Geld, sie mit Aktivitäten zu füllen, die Spaß machen und uns erfüllen.
Ist das schlecht? Zumindest ist es legal.
... aber auch legitim?